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Erfahrungsberichte
in Schweden

Foto: Stig Hammarstedt
Erfahrungsbericht aus dem Schuljahr 2002/2003
Also, los geht’s. Ich persönlich habe mich in Schweden so wohl gefühlt, dass ich der Meinung bin, das richtige Gastland für mich ausgesucht zu haben. Ich bereue diese Entscheidung auf keinen Fall. Ursprünglich hatte ich ein Jahr in den USA geplant – der Klassiker unter den Austauschländern. Als ich mich näher über Land und Leute informiert habe, kamen erste Zweifel auf und später war ich mir sicher, dass ich mit der Mentalität dort nicht zu recht kommen würde. Nach einem Sommerurlaub in Finnland packte mich das Skandinavien-Fieber und ich entschied mich für ein Schuljahr in Schweden, nach dem ich einen rund um positiven Eindruck gewonnen hatte. Die Schweden (und alle anderen Skandinavier) gelten als sehr offen, lebenslustig und naturverbunden. So gut wie jede Meinung wird akzeptiert und Individualität wird groß geschrieben. Als Austauschschüler ist es mir nicht schwer gefallen neue Leute kennen zu lernen, alle waren aufgeschlossen und interessiert.
Gerade in der Schule und speziell in meiner Klasse wurde ich super aufgenommen. Nach einigen Monaten machte es keinen Unterschied mehr, dass ich aus Deutschland kam. Irgendwann frage mich eine Freundin sogar, ob ich im nächsten Jahr mit ihr zusammen in eine WG ziehen wollte. Das zeigt einem dann, dass man zu einem Teil der Klasse geworden ist und für mich war das wirklich eine super nette Geste.
Schule ist ein sehr wichtiger Teil im schwedischen Alltag. In der Regel beginnt der Unterricht um 8 Uhr und endet um 15.30 Uhr. In dieser Zeit hat man auf jeden Fall die Fächer Schwedisch, Englisch und Mathe. Außerdem kommen spezielle Fächer dazu, je nach dem in welche „Linje“ man geht. Im Sprachprogramm (in dem auch ich war) hat man dann die Möglichkeit mehrere Sprachen zu lernen. Geht man ins Naturprogramm sind die meisten Fächer eben naturwissenschaftlich. In meinem Fall hat die Schule auf Grund meiner Bewerbungsunterlagen von STS das Sprachprogramm ausgesucht. Leider musste ich feststellen, dass mir ein Fach gar nicht lag, aber ich konnte mit der Schulleiterin vereinbaren, dass ich stattdessen Kunst belegen konnte. Auf www.skolverket.se findest du Infos über alle Programme die von staatlicher Seite anerkannt sind. Nicht alle werden an jeder Schule angeboten und je nach Region kommen spezielle Programme dazu. Bei uns gab es zum Beispiel ein Programm für Pferdezucht, weil es auf unserer Insel eine eigene Pferderasse gab. Aber das ist wohl die Ausnahme.
Die Unterrichtsstunden werden im Minutentakt abgerechnet und sind deswegen oft unterschiedlich lang. Manchmal 50min, manchmal aber auch 120min. Keine Angst, 90% des Unterrichts sind ohnehin lockere Gruppen- oder Partnerarbeit. Projektarbeiten sind Gang und Gäbe. Es ist nicht besonders anstrengt.
Für alle gibt es eine Mittagspause in der man etwas zu Essen bekommt. Man braucht NICHTS zu bezahlen und das Essen was wir bekommen haben war meistens lecker. Es gab extra Essen für Vegetarier und Knäckebrot, Butter und Salat standen immer bereit. Was mir am Anfang komisch vorkam war, dass alle – und selbst die Coolsten- Milch tranken. Ist einfach so. Man kann aber auch normales Wasser bekommen.
Ich habe von Anfang an alle Klassenarbeiten mitgeschrieben. In Mathe habe ich plötzlich 1en bekommen, obwohl ich in Deutschland nie die Leuchte war. Man steht in dem Jahr einfach nicht unter Druck. Es zählt nicht so zu sagen. Alles ist Just for Fun. Trotzdem habe ich mir Mühe gegeben.
Meine Gastfamilie war super nett und einfach wunderbar zu mir. Im Allgemeinen machen Schweden ihren Kindern wenig Vorschriften. Natürlich wollen sie wissen wohin man geht, aber es gab nichts, was meine Gasteltern mir verboten haben. Selbst als ich mal wieder reiten wollte haben sie es mir erlaubt, obwohl meine kleine Gastschwester eine lebendsbdrohliche Tierhaarallergie hat. Die Devise heißt „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“. Und gerade weil sie so super nett zu mir waren, habe ich versucht mich zu revanchieren. Ich habe auf meine kleinen Gastgeschwister aufgepasst, bin mit zum Einkaufen gefahren und habe ohnehin so oft wie möglich am Familienleben teilgenommen. Das ist auch wichtig, weil eine Gastmutter eben nicht „Hotel-Mama“ ist und sich vielleicht auch sehr ärgern kann, wenn man faul ist und die Familien nur als Schlafplatz ansieht. Was nicht heißen soll, das Freunde treffen verboten ist. Man sollte nur einen gesunden Mittelweg finden.
Ich weiß jetzt nicht, was für Hobbies du hast, denen du in Schweden nachgehen willst, aber es nichts Ausgefallenes ist, sollte es keine Probleme geben. Ich habe für mich allerdings auch einige neue Sachen entdeckt, z.B. regelmäßigen Sport oder nähen, was mir meine Gastmutter beigebracht hat. Offen sein für Neues, ist sehr wichtig.
Für dein Hobby solltest du sicher etwas Geld einplanen. Je nach Hobby eben mehr oder weniger. Genaue Preise für Sportvereine, Reitstunden, Tennisunterricht oder was auch immer du machen willst, sind ähnlich wie in Deutschland, wirst du aber erst direkt vor Ort erfahren. Sonst musst du natürlich deine Kleidung selbst bezahlen. H&M Klamotten kann man notfalls auch über einen Katalog bestellen, sollte es in deiner Stadt nichts Schönes geben. Vielleicht hast du Glück und deine Gastfamilie kocht ganz nach deinem Geschmack oder ist bereit „deine“ Lebensmittel zu bezahlen. Ansonsten gehen spezielle Lebensmittel auch auf dein Konto. Und ein McDonald’s Besuch o.ä. zwischen durch sollte auch drin sein. Duschgel, Shampoo etc. bezahlt man auch selbst. Ich habe circa 150 Euro Taschengeld bekommen und das war mehr als genug.
Um ganz ehrlich zu sein, ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich glaube auch nicht, dass es die gibt. Außer vielleicht, dass man das Auslandsjahr wegen Heimweh abbrechen muss, daran ist man aber selbst Schuld. Selbst ein Familienwechsel ist absolut nichts Schlimmes!
Schwedisch lernen ist relativ einfach, wenn man sich drauf einlässt. Die Sprache ist von der Grammatik simpel, von den Worten dem Deutschen und Englisch ähnlich. Viele Worte versteht man auf Anhieb.
Ich finde, es reicht vollkommen aus, wenn man am Anfang so viel Schwedisch kann, dass man sagen kann: Hallo ich bin Soundso und komme aus Deutschland. JEDER und zwar selbst die Kassiererin im Supermarkt spricht fließend englisch. Das kommt daher, dass fast alle Sendungen im Fernsehen aus englisch mit schwedischem Untertitel sind. Daran gewöhnt man sich super schnell. Meiner Meinung nach ist ein Jahr in Schweden deshalb auch die perfekte Gelegenheit sein Englisch zu verbessern (man wird einfach sicherer und lehrt neue Vokabeln), was einem nach dem Jahr in Schweden, daheim an der Schule einen Vorteil verschafft. Gleichzeitig kann man nach knapp 3 Monaten eine neue Sprache.
Meiner Meinung nach hat Schweden wesentlich mehr zu bieten als die kleinen, niedlichen roten Holzhäuser, wunderbare Seen und Wälder. Die Menschen sind einfach freundlich und aufgeschlossen, dabei aber auf keinen Fall überheblich, was man z.B. Amerikanern gerne nachsagt.
Har der sa bra! (wie man auf Schwedisch sagt!!!)